Herr,
manchmal blicke ich auf mein Leben, wie es jetzt ist, ich blicke auf mich, wie
ich geworden bin.
Dann
erscheinen Bilder, die ich mir früher ausgemalt habe, alte Träume, die noch
lebendig sind,
und ich
stelle fest: ich werde sie nicht leben, sie werden Träume bleiben.
Meine
Arbeit ist oft langweilig, ich bin unbedeutend. Ich kann die Arbeit aber nicht
aufgeben.
Meine
Familie macht mir Freude, aber ebenso viel Mühe und Kummer.
Meine
Freunde stecken in derselben Tretmühle wie ich – wie ich sind sie langweilig
geworden.
Für
das, was ich träume, fehlt mir vor allem eins: Zeit. Das Leben ist so kurz.
Dabei
weiß ich genau, in mir steckt viel mehr. Du gibst mir große Sehnsüchte, Gott.
Warum
tust du das, wenn sie sich doch nicht erfüllen?
Ps 143,
5-7
Ich denke an die früheren
Zeiten; / ich sinne nach über all deine Taten
und spreche von den Werken
deiner Hände.
Ich breite meine Hände aus zu
dir,
meine Seele dürstet nach dir wie
ein dürres Land.
HERR, erhöre mich bald, mein
Geist vergeht;
verbirg dein Antlitz nicht vor
mir, dass ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren.
Ps.42, 2,4,8+10
Wie der Hirsch schreit nach
frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Tränen sind meine Speise
Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Wenn ich des innewerde, so
schütte ich mein Herz aus bei mir selbst;
Deine Fluten rauschen daher, daß
hier eine Tiefe und da eine Tiefe brausen;
alle deine Wasserwogen und
Wellen gehen über mich.
Ich sage
zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muß ich so traurig
gehen?
Eine Katze ist seit
drei Tagen verschwunden – das kommt oft vor, aber diesmal ist es meine Katze.
Die Wohnung ist
leer ohne sie, ihr Lieblingssessel schaut mich stumm an.
Noch nie war sie so
lange weg. Wo ist sie? Geht es ihr gut? Kommt sie wieder?
„Katzen tun das nun
einmal“, sagen andere und denken „es ist doch nur ein Haustier.“
Aber diese Katze
ist ein Wesen, das ich liebe und für das ich sorgen möchte.
Gerade jetzt ist
sie vielleicht verletzt oder krank, oder sie wird gequält.
Ich möchte sie
finden, sie in Sicherheit bringen, irgend etwas wissen – und nichts kann ich
tun.
Ps 6, 2-7
Ach HERR, strafe mich nicht in
deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!
HERR, sei mir gnädig, denn ich bin
schwach; heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind erschrocken,
und
meine Seele ist sehr erschrocken. Ach du, HERR, wie lange!
Wende dich, HERR, und errette meine Seele; hilf mir um deiner Güte willen!
Denn im
Tode gedenkt man dein nicht; wer will dir bei den Toten danken?
Ich bin
so müde vom Seufzen; ich schwemme mein Bett die ganze Nacht und netze mit
meinen Tränen mein Lager.
Gott, meine Familie
lässt mich im Stich, die mir die Nächsten sind, lassen mich links liegen.
Ich habe so oft auf
sie gehofft, und sie übersahen mich, ich habe ihnen vertraut, und sie vergaßen
mich.
Herr, ich mag die
Enttäuschungen nicht mehr zählen, ich bin müde und möchte sie aus meinem Leben
streichen.
Aber es ist immer
noch meine Familie – wie kann ich sie streichen? Wie können meine Wunden
heilen?
Hilf du mir, Gott,
ich weiß nicht weiter.
Sie kommen, daß sie schauen, und
meinen's doch nicht von Herzen; sondern suchen etwas, das sie lästern mögen,
gehen hin und tragen's aus.
Alle,
die mich hassen, raunen miteinander wider mich und denken Böses über mich.
Auch
mein Freund, dem ich mich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich unter die
Füße.
Ps 69, 9,11-13+21
Ich bin fremd geworden meinen
Brüdern und unbekannt den Kindern meiner Mutter.
Und ich
weine und faste bitterlich; und man spottet mein dazu.
Ich habe
einen Sack angezogen; aber sie treiben Gespött mit mir.
Die im
Tor sitzen, schwatzen von mir, und in den Zechen singt man von mir.
Die
Schmach bricht mir mein Herz und kränkt mich. Ich warte, ob es jemand jammere,
aber da ist niemand, und auf Tröster, aber ich finde keine.
Ich bin krank, und
es wird nicht in drei Tagen vorbeigehen. Vielleicht werde ich nie mehr gesund.
Was war gestern,
als ich noch nichts davon wusste? Ich kann mich kaum erinnern.
Warum das, und
warum ich? Wozu soll das gut sein?
Bist du da, Gott?
Warum lässt du zu, dass mein Körper mir böse Streiche spielt?
Mein Leben war
immer gut, es war normal, alles soll normal bleiben.
Ich bin kein
schlechterer Mensch als andere, ich habe das nicht verdient.
|
Ps.38,
2-3,6-9,11-12+22-23
HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und
züchtige mich nicht in deinem Grimm.
Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine
Hand drückt mich.
Meine Wunden stinken und eitern vor meiner
Torheit.
Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag
gehe ich traurig.
Denn meine Lenden verdorren ganz, und ist
nichts Gesundes an meinem Leibe.
Es ist mir gar anders denn zuvor, und ich bin
sehr zerstoßen. Ich heule vor Unruhe meines Herzens.
Mein Herz bebt, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht
meiner Augen ist nicht bei mir.
Meine Lieben und Freunde treten zurück und
scheuen meine Plage, und meine Nächsten stehen ferne.
Verlass mich nicht, HERR! Mein Gott, sei nicht
ferne von mir!
Eile, mir beizustehen, HERR, meine Hilfe.
Mein
Liebster hat mich verlassen, er ist einfach gegangen.
Ich
weiß, dass er nicht wiederkommt, aber ich kann noch nicht glauben, dass ich
allein bin.
Ich
blicke zurück auf eine Lüge und noch vorn ins Nichts.
Warum,
Gott? Er hat mir keine Antwort gegeben – hast du eine für mich?
Ich
gehe durch den Tag wie durch einen Traum, nachts kann ich nicht schlafen.
Wo
bin ich? Wo ist mein Leben?
Ps 22, 2-3
Mein Gott, mein Gott, warum
hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich,
so antwortest du nicht; und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Ps 69, 2-4
Gott,
hilf mir; denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich
versinke im tiefen Schlamm, da kein Grund ist; ich bin im tiefen Wasser, und
die Flut will mich ersäufen.
Ich
habe mich müde geschrieen, mein Hals ist heiser; meine Augen sind trübe
geworden, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott.
|
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen